Bond Equipe GT 2 Litre (1970) – Der britische GT, den kaum jemand kennt

„Mein Name ist Bond. James Bond.“

Na, neugierig geworden?

Dann müssen wir an dieser Stelle leider kurz die Erwartungen dämpfen: Hier geht es nicht um den berühmtesten Geheimagenten der Filmgeschichte, nicht um 007 und auch nicht um einen Aston Martin mit eingebautem Schleudersitz.

Unser Bond trägt zwar denselben Namen, stammt ebenfalls aus Großbritannien und hat durchaus seinen eigenen Charme – aber statt Martini, Walther PPK und Aston Martin gibt es hier Sechszylinder, Kunststoffkarosserie und jede Menge britische Automobilgeschichte.

Die Rede ist vom Bond Equipe GT 2 Litre aus dem Jahr 1970.

Manchmal sind es eben nicht die großen Namen, die den interessantesten Klassiker bauen. Sondern die kleinen Hersteller, die sich etwas mehr erlauben. Der Bond Equipe GT 2 Litre ist genau so ein Automobil. Ein britischer Sport-GT, der heute selbst unter Freunden englischer Klassiker vielen unbekannt sein dürfte. Dabei steckt in ihm eine bemerkenswerte Mischung aus Triumph-Technik, eigenständigem Design, sechs Zylindern und jener typisch britischen Fähigkeit, aus vorhandenen Zutaten etwas ziemlich Eigenwilliges zu machen.

Vom Drei- zum Vierrad

Wer Bond hört, denkt zunächst vielleicht an den kleinen Bond Minicar oder später an den skurrilen Bond Bug. Der Equipe zeigt jedoch, dass die Marke durchaus sportwagenfähig war. 1963 präsentierte Bond mit dem Equipe GT sein erstes vierrädriges Modell. Technisch griff man auf Komponenten des Triumph Herald zurück und kombinierte diese mit einer eigenständigen Kunststoffkarosserie. Das Konzept war pragmatisch, typisch britisch – und ausgesprochen clever: Man musste das Rad nicht neu erfinden, wenn man bereits auf bewährte Großserientechnik zurückgreifen konnte.

Mit Konzernunterstützung

Der große Schritt kam mit Triumph. Der Equipe 2 Litre nutzte die technische Basis des Triumph Vitesse, einschließlich dessen Zweiliter-Reihensechszylinder. Damit bekam der kleine Bond genau das, was einem GT gut zu Gesicht steht: mehr Drehmoment, mehr Laufruhe und eine Portion Souveränität. Dabei blieb der Bond optisch eigenständig. Seine Karosserie verrät die Triumph-Verwandtschaft nicht auf den ersten Blick. Genau das macht einen Teil seines Reizes aus: Unter dem Blech steckt bekannte britische Großserientechnik, darüber sitzt ein deutlich individuellerer Anzug.

Von zwei zu vier Sitzen

Der Equipe war nicht einfach nur ein zweisitziger Sportwagen für den Sonntagnachmittag. Mit dem Equipe 2 Litre entwickelte Bond einen kompakten GT, der vier Personen aufnehmen konnte. Damit wurde aus dem sportlichen Zweisitzer ein durchaus alltagstauglicher Gran Turismo – zumindest nach den Maßstäben der späten 1960er-Jahre. Und genau darin liegt die interessante Position des Bond: Er wollte sportlich sein, ohne auf ein gewisses Maß an Alltagstauglichkeit zu verzichten.

Der Sechszylinder-GT

Das Herzstück des 2 Litre war der 1.998 cm³ große Triumph-Reihensechszylinder. Mit der Weiterentwicklung zum Mk II wurde die Leistung im Zuge der technischen Verbesserungen auf 104 bhp angehoben. Dazu kamen Verbesserungen am Fahrwerk, unter anderem die von Triumph übernommenen Änderungen der Vitesse Mk II. Der Bond war damit kein Rennwagen – aber ein leichter, kompakter und durchaus munterer GT. Und sechs Zylinder in einem kleinen britischen GT haben ihren ganz eigenen Charme. Kein V8-Grollen, kein martialisches Auftreten. Stattdessen dieses typische, seidige Hochdrehen eines britischen Reihensechszylinders. Man fährt nicht einfach schnell – man fährt mit Stil.

Individuelle Alternative zum Triumph GT6

Besonders interessant wird der Equipe, wenn man ihn neben den Triumph GT6 stellt. Beide nutzen die Triumph-Sechszylindertechnik und bewegen sich konzeptionell in einer ähnlichen Klasse. Der GT6 war allerdings das offizielle Triumph-Modell und wurde deutlich bekannter. Der Bond blieb die individuelle Alternative für diejenigen, die eben nicht unbedingt das Auto haben wollten, das bereits jeder kennt. Der Equipe war gewissermaßen der GT6 für Individualisten. Und das ist vielleicht seine größte Stärke. Wer heute mit einem Bond Equipe vorfährt, muss nicht befürchten, dass am nächsten Parkplatz drei weitere Exemplare stehen. Selbst viele Kenner britischer Automobile müssen vermutlich erst einmal genauer hinsehen.

Sechszylinder auch noch als Cabriolet

Und als wäre ein seltener britischer Sechszylinder-GT nicht schon interessant genug, gab es den Equipe 2 Litre auch als Cabriolet. Die offene Variante wurde 1968 zusammen mit der Mk-II-Weiterentwicklung eingeführt. Sie erhielt eine überarbeitete Heckpartie, die es ermöglichte, das Verdeck vollständig hinter den Rücksitzen unterzubringen.Damit bot Bond etwas, das der GT6 nie hatte: einen offenen Sechszylinder-GT auf dieser technischen Basis. Britischer geht es eigentlich kaum.

Echtes Liebhabertum

Der Bond Equipe ist kein Klassiker für Menschen, die auf dem Oldtimertreffen möglichst viele Blicke auf sich ziehen wollen, weil jeder das Modell sofort erkennt. Ganz im Gegenteil. Wer einen Equipe besitzt, muss vermutlich häufiger erklären, was da eigentlich vor einem steht. Und genau das gehört zum Charme. Die Produktionszahlen sprechen ohnehin eine deutliche Sprache: Vom 2-Litre Mk I entstanden rund 590 Exemplare, vom Mk II etwa 840 Fahrzeuge – jeweils einschließlich der entsprechenden Varianten. Insgesamt blieb die Equipe-Produktion über alle Modellreihen hinweg bei nur rund 4.400 Fahrzeugen. Das ist keine Massenware. Das ist automobiler Individualismus.

Fahraktiver Unbekannter

Trotz aller Seltenheit ist der Equipe kein Museumsmöbel. Die Kombination aus überschaubarem Gewicht, kompakter Karosserie, Triumph-Fahrwerk und Sechszylinder macht ihn zu einem durchaus fahraktiven Klassiker. Dazu kommt die für britische Sportwagen typische Nähe zum Geschehen: Man sitzt nicht abgeschottet in einer luxuriösen Limousine, sondern bekommt Straße, Motor und Fahrwerk unmittelbar mit. Genau solche Autos machen eine Landstraße interessant. Und vielleicht ist das die schönste Eigenschaft des Bond Equipe: Er versucht nicht, größer oder wichtiger zu wirken, als er ist. Er nimmt bewährte Triumph-Technik, packt sie in eine eigenständige Karosserie und macht daraus einen GT mit Charakter.

Weitere Informationen

Der Bond Equipe GT 2 Litre gehört heute zu den besonders seltenen britischen Klassikern. Die Produktion endete 1970, nachdem Reliant Bond übernommen hatte und die Fabrik in Preston geschlossen wurde. Die letzten noch nicht fertiggestellten Equipe wurden anschließend noch in Preston vollendet; der letzte 2-Litre Mk II verließ die Produktion im Oktober 1970.

Wer sich intensiver mit dem Modell beschäftigen möchte, findet beim Bond Owners’ Club umfangreiche Informationen zur Modellgeschichte, zu Produktionszahlen und Fahrgestellnummern.

Der Bond Equipe ist damit ein schönes Beispiel dafür, warum die britische Automobilgeschichte so viel mehr zu bieten hat als Jaguar, Aston Martin, MG oder Triumph.

Manchmal steht das wirklich interessante Auto eben nicht im Rampenlicht.

Und manchmal hat es sechs Zylinder, vier Sitze und einen Namen, den kaum jemand kennt.

Was meint ihr?

Wäre der Bond Equipe GT 2 Litre für euch eine spannende Alternative zum bekannten Triumph GT6 – oder muss ein britischer Klassiker für euch schon einen etwas größeren Namen tragen?

 

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